Kurz gesagt: Die Disposition plant, steuert und überwacht Transporte: Aufträge annehmen, Fahrzeuge und Touren einplanen, Lenk- und Ruhezeiten einhalten (max. 9 Stunden Lenkzeit pro Tag, 56 pro Woche, 90 in zwei Wochen), Frachten kalkulieren, Papiere erstellen und Sendungen verfolgen. Formal führt der Weg meist über die 36-monatige IHK-Ausbildung zum Kaufmann bzw. zur Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung.

Die Aufgaben der Disposition im Überblick

„Disponent“ ist in Speditionen eine Funktionsbezeichnung. Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt die Kernaufgaben so: Transporte „disponieren, überwachen, steuern und kontrollieren“ – mit eigenen oder fremden Fahrzeugen – sowie „Termine nach Prioritäten planen, Touren ausarbeiten und einteilen“.

AufgabeWas konkret passiert
AuftragsannahmeAnfrage prüfen: Ladung, Gewicht, Lademeter, Termine, Sonderanforderungen (z. B. Kühlung, Gefahrgut)
Fahrzeug- und TourenplanungPassendes Fahrzeug wählen, Touren bündeln, Rückladungen suchen
Lenkzeit-KontrolleZeitpläne so legen, dass Fahrer Lenk- und Ruhezeiten einhalten können
PreiskalkulationFracht kalkulieren: Kilometer, Diesel, Maut, Fahrerkosten, Marge
DokumenteFrachtbriefe (CMR), Ladelisten, Versandanzeigen
SendungsverfolgungTransport überwachen, bei Stau, Wetter oder Ausfall „sofort neu- oder umdisponieren“
AbrechnungEin- und ausgehende Sendungen erfassen, Rechnungen erstellen

Der bayerische Berufsschul-Lehrplan nennt als Lerninhalte ausdrücklich die „Disposition von Fahrzeugen und Lademitteln“, die „Fahrzeugkostenkalkulation“ und das Erstellen von Tourenplänen.

Lenk- und Ruhezeiten: harte Grenzen für jede Tour

Die Lenk- und Ruhezeiten nach Verordnung (EG) Nr. 561/2006 sind keine reine Fahrerpflicht. Artikel 10 Abs. 4 verlangt, dass Unternehmen, Verlader, Spediteure und Subunternehmer sicherstellen, dass vertraglich vereinbarte Zeitpläne die Verordnung einhalten. Für die Disposition heißt das: Ein unrealistischer Liefertermin ist ein Planungsfehler.

Regel (VO 561/2006)Grenzwert
Tägliche Lenkzeit9 h, zweimal pro Woche 10 h
Wöchentliche Lenkzeit56 h
Lenkzeit in zwei aufeinanderfolgenden Wochen90 h
Fahrtunterbrechung45 min nach 4,5 h (teilbar in 15 + 30 min)
Regelmäßige tägliche Ruhezeitmind. 11 h (reduziert: mind. 9 h)
Regelmäßige wöchentliche Ruhezeitmind. 45 h

Wegen der 90-Stunden-Grenze stehen im Schnitt nur 45 Stunden Lenkzeit pro Woche zur Verfügung, auch wenn eine einzelne Woche 56 Stunden erlaubt.

Kennzahlen: woran gute Disposition gemessen wird

KennzahlDefinitionWarum sie zählt
AuslastungGenutzte Kapazität (kg, Lademeter, Paletten) im Verhältnis zur verfügbarenHalbleere Fahrzeuge verteilen die Kosten auf weniger Fracht
Leerkilometer-AnteilLeer gefahrene km / Gesamt-kmJeder Leerkilometer kostet, bringt aber keinen Erlös
Kosten pro kmBetriebskosten / gefahrene kmBasis jeder Frachtkalkulation
Erlös pro kmFrachterlös / Gesamt-km (inkl. leer)Zeigt, ob die Tour die Kosten deckt
TermintreuePünktliche Zustellungen / alle ZustellungenKundenbindung, Standgeld-Risiko

Zur Einordnung: Laut Eurostat wurden 2025 in der EU 21,8 % aller Fahrzeugkilometer im Straßengüterverkehr leer gefahren – im nationalen Verkehr 26,0 %, im grenzüberschreitenden 12,9 %.

Rechenbeispiel: Was Leerkilometer kosten

Annahmen: 40-t-Sattelzug, 2.400 km pro Woche, Betriebskosten 1,20 €/km. Das liegt in der Spanne von 1,15–1,25 €/km, die wir als Schätzung für international tätige Unternehmen aus Mittel- und Osteuropa ansetzen (abgeleitet aus dem ZMPD-Durchschnitt 2023 von 5,13 PLN/km; westeuropäische Unternehmen liegen höher). Details: Lkw-Kosten pro km berechnen.

SzenarioLeeranteilLeer-km/WocheKosten ohne Erlös
Etwa EU-Gesamtschnitt20 %480 km576 €
Etwa Schnitt international12,9 %310 km372 €
Differenz170 km204 € pro Woche

Bei angenommenen 46 Einsatzwochen im Jahr sind das rund 9.400 € pro Fahrzeug – allein durch bessere Rückladungsplanung, ohne einen Euro mehr Fracht.

Werkzeuge in der Disposition

  • Transportmanagementsystem (TMS): Aufträge, Touren, Dokumente und Abrechnung in einem System (Software für Transportunternehmen).
  • Telematik und Tachograph-Daten: Position, Restlenkzeit, Ankunftsprognose.
  • Frachtbörsen: Rückladungen finden und Laderaum anbieten.
  • Kostenrechner für Maut und Diesel: Vor der Zusage prüfen, ob die Fracht die Strecke deckt.

Für den letzten Punkt: Logist Calculator berechnet die Maut in allen europäischen Ländern, in denen sie anfällt (Routing- und Mautdaten von HERE, Mautsätze werden einmal jährlich geprüft), und den Diesel nach dem EU Weekly Oil Bulletin, das jeden Donnerstag aktualisiert wird – für Transporter bis 3,5 t, 7,5-Tonner und 40-Tonner. Route jetzt kalkulieren

Ausbildung und Qualifikation

AbschlussDauer / NiveauZuständig
Kaufmann/Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung36 Monate, Ausbildungsordnung seit 26.07.2004IHK (Industrie und Handel)
Geprüfter Fachwirt für Güterverkehr und Logistik (Bachelor Professional in Transport Management and Logistics)DQR-Stufe 6, AufstiegsfortbildungIHK

Laut BIBB gehört zum Ausbildungsberuf das „Planen und Organisieren des Güterversands, des Umschlags und der Lagerung“, dazu Sammelladungen, Versicherung, Zoll und Kommunikation auf Englisch. Für die Fachwirt-Prüfung regelt die Fortbildungsordnung die Zulassung; die IHK verweist dafür auf den Verordnungstext.

Häufige Fragen

Was macht ein Disponent in einer Spedition?

Er plant Fahrzeuge und Touren, kalkuliert Frachten, erstellt Transportpapiere und überwacht laufende Transporte. Bei Störungen disponiert er um.

Wie viele Stunden darf ein Lkw-Fahrer pro Tag fahren?

Grundsätzlich 9 Stunden, zweimal pro Woche 10 Stunden. Nach 4,5 Stunden ist eine Pause von 45 Minuten Pflicht.

Welche Ausbildung braucht man als Disponent?

Der passende Ausbildungsberuf ist Kaufmann/Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung (36 Monate, IHK). Als Weiterbildung gibt es den Fachwirt für Güterverkehr und Logistik (DQR 6).

Wie hoch ist der Anteil an Leerfahrten?

In der EU waren es 2025 laut Eurostat 21,8 % der Fahrzeugkilometer, im grenzüberschreitenden Verkehr 12,9 %.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Kostenwerte sind Schätzungen; Lenkzeitregeln vor verbindlicher Planung in der aktuellen Fassung der VO 561/2006 prüfen.