Kurz gesagt: Die regelmäßige wöchentliche Ruhezeit von mindestens 45 Stunden darf nicht im LKW verbracht werden; der Arbeitgeber muss eine geeignete Unterkunft bezahlen. Fahrer müssen innerhalb von jeweils vier Wochen (nach zwei reduzierten Wochenruhezeiten in Folge: drei Wochen) zum Betriebsstandort oder Wohnort zurückkehren können. Die Pflicht, das Fahrzeug alle acht Wochen zurückzuholen, hat der EuGH am 4. Oktober 2024 für nichtig erklärt.

Regelmäßige und reduzierte Wochenruhezeit

RegelmäßigReduziert
Dauermind. 45 hmind. 24 h, unter 45 h
Im Fahrzeug erlaubt?neinja, im stehenden Fahrzeug mit Schlafkabine
Ausgleich nötig?–ja, Differenz zu 45 h
RechtsgrundlageArt. 8 Abs. 6 und 8 VO 561/2006Art. 8 Abs. 6, 6b, 7

Die wöchentliche Ruhezeit beginnt spätestens nach sechs 24-Stunden-Zeiträumen. In zwei aufeinanderfolgenden Wochen braucht der Fahrer zwei regelmäßige oder eine regelmäßige und eine reduzierte Wochenruhezeit. Die Grundregeln zu Lenkzeit und Pausen stehen im Artikel Lenk- und Ruhezeiten LKW.

Verbot der Wochenruhezeit in der Kabine

Seit dem Mobilitätspaket I (Verordnung (EU) 2020/1054, anwendbar seit 20. August 2020) gilt nach Art. 8 Abs. 8: Regelmäßige wöchentliche Ruhezeiten und Ausgleichsruhezeiten von mehr als 45 Stunden dürfen nicht im Fahrzeug verbracht werden. Sie sind in einer geeigneten, geschlechtergerechten Unterkunft mit angemessenen Schlaf- und Sanitäreinrichtungen zu nehmen, die Kosten trägt der Arbeitgeber. Tägliche Ruhezeiten und reduzierte Wochenruhezeiten bleiben im stehenden LKW mit Schlafkabine zulässig – das bestätigt auch das BALM.

Auf Fähre oder Zug ist eine regelmäßige Wochenruhezeit nur erlaubt, wenn die Überfahrt planmäßig mindestens 8 Stunden dauert und eine Schlafkabine zur Verfügung steht (Art. 9).

Zwei reduzierte Wochenruhezeiten in Folge

Im grenzüberschreitenden Güterverkehr darf ein Fahrer außerhalb des Niederlassungsstaats seines Unternehmens zwei reduzierte Wochenruhezeiten hintereinander nehmen. Bedingung: In vier aufeinanderfolgenden Wochen hat er mindestens vier wöchentliche Ruhezeiten, davon mindestens zwei regelmäßige.

Ausgleichsregeln im Überblick

SituationAusgleichFrist
Eine reduzierte WochenruhezeitDifferenz zu 45 h, am Stückbis Ende der dritten Folgewoche
Zwei reduzierte Wochenruhezeiten in Folgebeide Differenzenvor der nächsten regelmäßigen Wochenruhezeit
AllgemeinAusgleich an eine andere Ruhezeit von mind. 9 h anhängen–
Verlängerte Lenkzeit für Heimfahrt (Art. 12, bis +1 h bzw. +2 h)gleich lange Ruhezeitbis Ende der dritten Folgewoche

Rückkehrpflicht des Fahrers

Nach Art. 8 Abs. 8a muss das Transportunternehmen die Arbeit so organisieren, dass der Fahrer innerhalb von jeweils vier aufeinanderfolgenden Wochen an den Betriebsstandort des Arbeitgebers oder an seinen Wohnort zurückkehren kann, um dort mindestens eine regelmäßige Wochenruhezeit zu verbringen. Hat der Fahrer zwei reduzierte Wochenruhezeiten in Folge genommen, muss die Rückkehr vor der anschließenden Ruhezeit von mehr als 45 Stunden erfolgen – die Europäische Arbeitsbehörde spricht deshalb von einem Zeitraum von „3 oder 4 aufeinanderfolgenden Wochen“. Das Unternehmen muss dokumentieren, wie es diese Pflicht erfüllt.

Rückkehr des Fahrzeugs: vom EuGH gekippt

Art. 5 Abs. 1 lit. b der Verordnung (EG) 1071/2009, eingefügt durch die Verordnung (EU) 2020/1055, verlangte, dass Fahrzeuge im internationalen Verkehr spätestens acht Wochen nach Verlassen zu einer Betriebsstätte im Niederlassungsstaat zurückkehren. Die Regel galt ab 21. Februar 2022.

DatumEreignis
21. Februar 2022Rückkehrpflicht des Fahrzeugs (8 Wochen) anwendbar
4. Oktober 2024EuGH-Urteil in den Rechtssachen C-541/20 bis C-555/20: Regel für nichtig erklärt
Wirkunglaut EU-Kommission nichtig und nicht anwendbar ab Erlass am 15. Juli 2020

Der EuGH begründete das damit, dass Parlament und Rat die Verhältnismäßigkeit nicht ausreichend geprüft hatten. Bestätigt hat das Gericht dagegen das Verbot der regelmäßigen Wochenruhezeit im Fahrzeug, die Rückkehrpflicht des Fahrers, die viertägige Sperrfrist für Kabotage im selben Mitgliedstaat und die Entsenderegeln für Kabotage und Drittlandverkehr.

Rechenbeispiel: vier Wochen Fernverkehr

Ein Fahrer eines in Deutschland niedergelassenen Unternehmens fährt im internationalen Verkehr:

WocheWochenruhezeitOrtAusgleich offen
1reduziert, 24 him LKW, Ausland21 h
2reduziert, 24 him LKW, Ausland42 h
342 h Ausgleich + 45 h regelmäßig = 87 h am Stückzu Hause0 h
4regelmäßig, 45 hUnterkunft oder zu Hause0 h

Die Vier-in-vier-Regel ist erfüllt (vier Wochenruhezeiten, davon zwei regelmäßige), und der Fahrer ist vor der Ruhezeit von mehr als 45 Stunden zurückgekehrt. Für die Disposition bedeutet ein solcher Block: Das Fahrzeug steht rund dreieinhalb Tage, wenn kein zweiter Fahrer übernimmt. Wie sich Standzeiten auf den Frachtpreis auswirken, beschreibt der Artikel Frachtpreis berechnen.

Laut BALM drohen in Deutschland bei erheblichen Verstößen gegen das Fahrpersonalrecht Bußgelder bis 5.000 Euro für Fahrer und bis 15.000 Euro für Unternehmen. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.

Häufige Fragen

Darf der Fahrer die 45-Stunden-Wochenruhezeit im LKW verbringen?

Nein. Regelmäßige Wochenruhezeiten und Ausgleichsruhezeiten über 45 Stunden müssen in einer geeigneten Unterkunft verbracht werden, die der Arbeitgeber bezahlt. Nur die reduzierte Wochenruhezeit ist im stehenden LKW mit Schlafkabine erlaubt.

Wie oft muss ein LKW-Fahrer nach Hause?

Das Unternehmen muss ermöglichen, dass er innerhalb von vier Wochen zum Betriebsstandort oder Wohnort zurückkehrt, nach zwei reduzierten Wochenruhezeiten in Folge bereits in der dritten Woche.

Muss der LKW noch alle acht Wochen zurück ins Heimatland?

Nein. Der EuGH hat diese Pflicht am 4. Oktober 2024 für nichtig erklärt; nach Angaben der EU-Kommission gilt sie als von Anfang an nicht anwendbar.

Bis wann muss eine reduzierte Wochenruhezeit ausgeglichen werden?

Bis zum Ende der dritten Woche nach der betreffenden Woche, am Stück und angehängt an eine andere Ruhezeit von mindestens 9 Stunden.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Auslegung und Bußgelder können sich ändern – prüfen Sie vor verbindlichen Aussagen die offizielle Quelle.