Kurz gesagt: In Deutschland sind emissionsfreie Lkw über 4,25 t bis zum 30. Juni 2031 komplett mautfrei, bis 4,25 t sogar dauerhaft. Österreich, die Niederlande und Bulgarien verlangen Maut, aber zu deutlich niedrigeren Sätzen der CO2-Klasse 5: in Österreich z. B. 0,1189 €/km statt 0,5724 €/km (4+ Achsen, netto) – rund 79 % weniger als ein Euro-VI-Diesel in Klasse 1.

Der EU-Rahmen

Die Wegekostenrichtlinie (Richtlinie 1999/62/EG in der Fassung von 2022/362) erlaubte eine vollständige Mautbefreiung emissionsfreier schwerer Nutzfahrzeuge bis 31. Dezember 2025. Ansonsten können emissionsfreie Fahrzeuge laut EU-Rat Ermäßigungen von 50 bis 75 % gegenüber der Basisklasse erhalten. Die EU-Kommission schlug am 27. Juni 2025 vor, die Befreiungsmöglichkeit bis 30. Juni 2031 zu verlängern. Deutschland schöpft nach Angaben des BALM „die maximal mögliche Befreiungsdauer gemäß der europäischen Eurovignetten-Richtlinie“ aus. Jedes Land entscheidet selbst, ob es befreit oder nur ermäßigt.

Ländervergleich 2026

Schwerster Lkw, Euro VI / Diesel CO2-Klasse 1 im Vergleich zu emissionsfrei (CO2-Klasse 5):

LandFahrzeugklasseDiesel, CO2-Klasse 1EmissionsfreiGültig
Deutschland> 18 t, 5+ Achsen34,8 ct/km0 (befreit)bis 30.06.2031
Österreich4+ Achsen0,5724 €/km netto0,1189 €/km nettoab 01.01.2026
Niederlande> 32 t0,156 €/km0,030 €/km01.09.–31.12.2026
Bulgarien> 12 t, 4+ Achsen, Autobahn0,21 €/km0,14 €/kmab 01.06.2026

Für die Niederlande und Bulgarien nennen die Betreiberseiten keine Angabe zur Umsatzsteuer; die deutsche Tariftabelle enthält ebenfalls keinen USt-Hinweis.

Deutschland: mautfrei bis Mitte 2031

Das Vierte Gesetz zur Änderung mautrechtlicher Vorschriften ist am 1. Dezember 2025 in Kraft getreten und verlängert die Befreiung bis zum 30. Juni 2031. Nach Toll Collect gilt sie für Elektro-Lkw, Wasserstoffverbrenner und Brennstoffzellen-Lkw über 4,25 t; emissionsfreie Fahrzeuge bis 4,25 t sind dauerhaft befreit. Die Kraftstoffart steht in der Zulassungsbescheinigung (Feld P.3). Laut Toll-Collect-Leitfaden werden Fahrzeuge der CO2-Klasse 5 über 4,25 t mit dem Wegfall der Befreiung ab dem 1. Juli 2031 der Schadstoffkategorie G zugeordnet; die ab dann geltenden Mautsätze sind noch nicht veröffentlicht. Mehr: Lkw-Maut Deutschland 2026.

Österreich: 75 % Rabatt auf die Infrastruktur

Österreich befreit nicht, sondern ermäßigt. In CO2-Klasse 5 fallen bei 4+ Achsen 0,1149 €/km Infrastruktur und 0,0040 €/km Luft/Lärm an, aber kein CO2-Zuschlag. Laut Verkehrsministerium (Presseaussendung vom 10. September 2025) wird die Rabattregelung für emissionsfreie Fahrzeuge über 3,5 t, „aktuell bei 75 Prozent“, nun „bis 2030 klar geregelt“.

CO2-Klasse 52 Achsen3 Achsen4+ Achsen
€/km exkl. 20 % USt.0,05870,08060,1189

Details: GO-Maut Österreich 2026.

Niederlande: eigener E-Lkw-Tarif seit Juli 2026

Mit der Vrachtwagenheffing (seit 1. Juli 2026) zahlen E-Lkw einen eigenen Tarif der CO2-Klasse 5. Für Lkw über 32 t:

ZeitraumCO2-Klasse 1, Euro 6CO2-Klasse 5
01.07.–01.09.20260,201 €/km0,038 €/km
01.09.2026–01.01.2027 (22,3 % Rabatt)0,156 €/km0,030 €/km
ab 01.01.2027 (vorläufig, +2,6 %)0,206 €/km0,040 €/km

Die 2027er-Tarife sind angekündigt; die formelle Veröffentlichung im Staatscourant war laut Betreiber für September 2026 vorgesehen.

Bulgarien: CO2-Klassen seit Juni 2026

Mit Dekret Nr. 64 vom 26. Mai 2026 gilt in Bulgarien ab 1. Juni 2026 ein nach CO2-Klassen gestaffelter Tarif. Ein Lkw über 12 t mit 4+ Achsen zahlt auf der Autobahn 0,21 €/km in Klasse 1 und 0,14 €/km in Klasse 5. Hinweis: Die FAQ von BG Toll nennt für den CO2-Anteil noch den 1. März 2026 als Start – maßgeblich ist die aktuelle Tarifseite.

Schweiz: LSVA-befreit voraussichtlich bis Ende 2028

Laut Richtlinie 15-02 des BAZG (Stand Dezember 2025) sind Fahrzeuge mit batterieelektrischem oder Brennstoffzellen-Antrieb von der LSVA befreit, „voraussichtlich noch bis Ende 2028“; Hybride zahlen voll. Elektro-Fahrzeuge bis 4.250 kg sollen voraussichtlich auch danach befreit bleiben. Seit 1. Oktober 2025 müssen E-Lkw für den Gütertransport trotzdem ein Erfassungsgerät haben und Kilometer melden. Wie die LSVA für E-Lkw ab 2029 konkret aussieht, nennt das Dokument nicht.

Andere Länder

Für Dänemark, Tschechien und weitere Länder konnten wir die aktuellen Regeln für E-Lkw nicht auf den offiziellen Seiten der Betreiber prüfen. Wir nennen deshalb keine Zahlen; bitte direkt beim jeweiligen Betreiber nachsehen.

Rechenbeispiel: E-Lkw vs. Diesel

40-t-Sattelzug, Diesel Euro 6 in CO2-Klasse 1 gegenüber einem E-Lkw:

  • Deutschland, 100.000 Maut-km: Diesel 34.800 €, E-Lkw 0 € → 34.800 € Ersparnis pro Jahr (bis 30.06.2031).
  • Österreich, 20.000 Maut-km (4+ Achsen): Diesel 11.448 €, E-Lkw 2.378 € → 9.070 € netto Ersparnis.
  • Niederlande, 10.000 km 2027 (> 32 t, vorläufige Sätze): Diesel 2.060 €, E-Lkw 400 € → 1.660 € Ersparnis.

Für Angebote mit gemischtem Fuhrpark sollte die Maut deshalb pro Fahrzeug kalkuliert werden, nicht pauschal. Zum Gesamtbild: Lkw-Kosten pro km berechnen.

Route jetzt kalkulieren: Logist Calculator berechnet die Maut für alle europäischen Länder, in denen sie anfällt, auf Basis von HERE-Routing- und Mautdaten; die Mautsätze werden einmal jährlich überprüft.

Häufige Fragen

Sind Elektro-Lkw in Deutschland mautfrei?

Ja. Emissionsfreie Lkw über 4,25 t sind bis 30. Juni 2031 von der Lkw-Maut befreit, Fahrzeuge bis 4,25 t dauerhaft.

Was zahlt ein E-Lkw in Österreich?

CO2-Klasse 5 kostet 2026 je nach Achszahl 0,0587 bis 0,1189 €/km zzgl. 20 % USt. Die 75-%-Ermäßigung auf die Infrastrukturkosten ist laut Regierung bis 2030 geregelt.

Zählen Wasserstoff-Lkw als emissionsfrei?

In Deutschland ja: Toll Collect nennt Brennstoffzellen-Lkw und Wasserstoffverbrenner ausdrücklich. CO2-neutrale Kraftstoffe in Diesel-Lkw zählen dagegen nicht.

Was passiert in Deutschland nach dem 30. Juni 2031?

Dann entfällt die Befreiung für E-Lkw über 4,25 t. Die konkreten Mautsätze ab diesem Datum sind noch nicht veröffentlicht.

Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Mautsätze und Befreiungen ändern sich – bitte vor jeder Kalkulation beim Betreiber prüfen.